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Artikel aktualisiert am 04.11.2018

Lesezeit: 6 Minuten

Warum steht das Superfood im Fokus der Medien?

In den letzten Tagen häufen sich die Schlagzeilen mit der Frage „Ist Kokosöl ungesund?“ und das bis vor kurzem noch so hoch gelobt Trendfood wird verteufelt.

So soll Kokosöl doch das Abnehmen unterstützen, antimikrobiell wirken und sogar Demenz vorbeugen. Vor allem bei Veganern ist Kokosöl als Alternative zu Butter für das Braten, Kochen und Backen sehr beliebt.

In dem derzeitigen Aufschwung der Diskussion steckt ein Vortrag von Frau Prof. Karin Michels an der Uniklinik Freiburg, der bei Youtube gelandet ist. Frau Prof. Michels hat eine Professur an der Harvard T.H. Chan School of Public Health und ist außerdem die Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

In dem Vortrag nimmt Frau Prof. Michels verschiedene Ernährungsmythen vor „Laien“ auseinander – darunter auch das Thema Kokosöl.

Sie ist der Meinung, dass viele Falschaussagen und widersprüchliche Meinung im Umlauf sind und möchte über diese Mythen aufklären.

So weit so gut – dafür habe ich vollstes Verständnis. Genauso ist auch ein Ziel dieses Blogs, endlich mit den üblichen Diät-Mythen aufzuräumen.


Disclaimer: Ich bin kein Arzt! Die hier dargestellten Inhalte beruhen auf einer gewissenhaften Recherche aber dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Des Weiteren erhebt der Text weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt deines Vertrauens!

Kokosöl vs. Schweineschmalz

Kommen wir wieder zu dem Vortrag von Frau Prof. Michels. Dort geht es auch um andere Themen aber der Schwerpunkt ist das ungesunde Kokosöl.

„Kokosöl ist gefährlicher für sie, als Schweineschmalz.“

– Prof. Dr. Dr. Karin Michels

Klarer Punkt für Frau Prof. Michels?! Naja.

Der Grund für diese Aussage liegt auf der Hand. Kokosöl enthält ca. 90% gesättigte Fette und Schweineschmalz hat mit ca. 40% einen deutlich geringen Anteil an gesättigtem Fett.



Gesättigtes Fett macht das Kokosöl ungesund

Im Fokus der Argumentation von Frau Prof. Michels steht der Anteil der gesättigten Fettsäuren im Kokosöl.

„Kokosöl verstopft ihre Herzkranzgefäße und führt zum sicheren Herztot. Je mehr Kokosöl, je mehr verstopfte Herzkranzgefäße, je höher das Risiko eines Herzinfarktes. Kokosöl ist das reine Gift.“

– Prof. Dr. Dr. Karin Michels

Mit diesen Aussagen steht Frau Prof. Michels nicht allein da. Auch die American Heart Association (AHA) rät von der Verwendung von Kokosöl ab (Sacks et al., 2017). Aufgrund des hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren, erhöht Kokosöl das „schlechte“ LDL-Cholesterin im Blut.

In Bezug auf Kokosöl ist das aber nichts Ungewöhnliches – alle gesättigten Fette erhöhen sowohl den guten HDL als auch den schlechten LDL-Cholesterinspiegel.

Zur Erinnerung bezüglich Cholesterin:

  • LDL-Cholesterin, gilt als das „schlechte“ Cholesterin. Ein erhöhter LDL-Cholesterin Wert, soll das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
  • HDL-Cholesterin – das „gute“ Cholesterin. Ein erhöhter Wert scheint hier positive Auswirkungen auf deine Herzgesundheit zu haben.

Das Verhältnis von LDL- und HDL-Cholesterin bestimmt, wie hoch das Risiko für Arteriosklerose und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Das heißt, erhöhte HDL-Werte können vor Arteriosklerose schützen, aber nur, wenn auch die LDL-Werte niedrig sind (Ference et al., 2017).

Ist Kokosöl ungesund oder gesund
Nach einem Vortrag von Frau Prof. Michels steht Kokosnussöl im Fokus der Medien und wird als ungesund abgestempelt. Wird das ehemalige Superfood zurecht kritisiert?

Kokosöl durch Rapsöl oder Sonnenblumenöl ersetzen

Die AHA empfiehlt Kokosöl und Palmfett durch andere Ölsorten wie Raps- oder Olivenöl zu ersetzen. Rapsöl enthält beispielsweise fast 90% ungesättigte Fettsäuren – also genau das gegenteilige Verhältnis.

Mehrere Studien stützen die Aussagen der AHA und zeigen, dass das Ersetzen von Kokosöl durch Öle mit einem höheren Anteil an ungesättigten Fetten, die Blutfettwerte in einer Weise verändern kann, das diese Änderung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert (Eyres et al., 2016; Siri-Tarino et al., 2010).

Eine der umfassendsten Studien zu gesättigten Fetten und Herzerkrankungen war ein Review von 15 klinischen Studien mit insgesamt 59.000 Menschen (Hooper et al., 2015).

Die Autoren stellten fest, dass ein geringerer Anteil an gesättigtem Fetten und deren Ersatz durch Kohlenhydrate und Proteine keinen Unterschied für Herz-Kreislauf-Erkrankungen macht.

Als jedoch die gesättigten Fette durch ungesättigte Fette ersetzt wurden, verringerte sich der Anteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 27% (Hooper et al., 2015).

Darüber hinaus wachsen Kokospalmen nur in tropischen Regionen, was zu langen Transportwegen führt. Oliven, Raps und Walnüsse wachsen in Europa und die Pflanzenöle haben deutlich geringere Wege hinter sich. Dies ist kein gesundheitlicher Aspekt aber aus ökologischer Sicht bedenklich.

Keine gesundheitlichen Vorteile durch Kokosnussöl

Ein Fazit von Frau Prof. Michels lautet:

„Das Kokosöl ist eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die Sie überhaupt zu sich nehmen können. Es gibt nicht eine einzige Studie an Menschen, die irgendeine positive Wirkung von Kokosöl zeigt.“

– Prof. Dr. Dr. Karin Michels

Schauen wir auf die Fakten, hat Frau Prof. Michels auch in diesem Punkt recht. Lockyer & Stanner (2016) zeigten klar, dass es für Kokosöl einfach nicht genügend Beweise für gesundheitsbezogene Statements gibt.

Behauptungen in Bezug auf mögliche gesundheitliche Vorteile von Kokosnussöl basieren oft nur auf Tier- oder In-vitro-Studien oder Studien am Menschen, bei denen eine Komponente von Kokosöl und nicht das gesamte Stoffe untersucht wurde (Lockyer & Stanner, 2016).

Kokosöl ist ungesund – aber lassen wir die Kirche im Dorf

In Ordnung, Frau Prof. Michels hat wahrscheinlich mit vielen ihrer Aussagen recht. Aber muss es gleich so viel Polemik sein?

Ja, Kokosöl besteht zum Großteil aus gesättigten Fettsäuren.

Und ja, gesättigte Fettsäuren können den Cholesterinspiegel erhöhen.

Außerdem gilt ein erhöhter Cholesterinspiegel als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Punkt. Weiter ist die Wissenschaft noch nicht.

Eine direkte Verbindung von Kokosöl und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (nicht dem Risiko für die Erkrankung) wurde meines Wissens nach bisher nicht bestätigt.

Klar, dass der Ersatz von Kokosöl durch Öle mit einem höheren Anteil an ungesättigtem Fett das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert, weil auch der Cholesterinspiegel geringer wird Mensink et al., 2003).

Auch Siri-Tarino et al. (2010, siehe oben) machten auch deutlich, dass die Beweislage zu unklar ist, um zu dem Schluss zu kommen, dass gesättigtes Fett das Risiko von Herzerkrankungen erhöht!

Die Ergebnisse anderer aktueller Studien stützen diese Aussage (z.B. Harcombe et al., 2016).

Fazit: Die Menge macht das Gift.

Was hältst du von dem Vortrag von Frau Prof. Michels? Schreibe es doch in die Kommentare!

Mich beschäftigt vor allem, was geht jetzt wohl in den Köpfen der Menschen vorgeht, die seit Jahren mit Kokosöl kochen und dachten, dass sie sich was Gutes tun? Oder vielleicht sogar für ihre Kinder damit gekocht haben?

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Literatur

Eyres, L., Eyres, M.F., Chisholm, A., Brown, R.C. (2016) Coconut oil consumption and cardiovascular risk factors in humans. Nutr. Rev. 74(4), 267-280. doi: 10.1093/nutrit/nuw002.

Ference, B.A., Ginsberg, H.N., Graham, I. et al. (2017) Low-density lipoproteins cause atherosclerotic cardiovascular disease. 1. Evidence from genetic, epidemiologic, and clinical studies. A consensus statement from the European Atherosclerosis Society Consensus Panel. European Heart Journal 38(32), 2459–2472. doi: 10.1093/eurheartj/ehx144.

Harcombe, Z., Baker, J.S., Di Nicolantonio, J.J., Grace, F., Davies, B. (2016) Evidence from randomised controlled trials does not support current dietary fat guidelines: a systematic review and meta-analysis. Open Heart 3(2), e000409. doi: 10.1136/openhrt-2016-000409.

Hooper, L., Martin, N., Abdelhamid, A., Davey Smith, G. (2015) Reduction in saturated fat intake for cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 6. doi: 10.1002/14651858.CD011737

Lockyer, S., Stanner, S. (2016) Coconut oil – a nutty idea? Nutrition Bulletin 41, 42-54. doi: doi.org/10.1111/nbu.12188.

Mensink, R.P., Zock, P.L., Kester, A.D., Katan, M.B. (2003) Effects of dietary fatty acids and carbohydrates on the ratio of serum total to HDL cholesterol and on serum lipids and apolipoproteins: a meta-analysis of 60 controlled trials. Am. J. Clin. Nutr. 77(5), 1146-1455.

Sacks, F.M., Lichtenstein, A.H., Wu, J.H.Y., Appel, L.J., Creager, M.A., Kris-Etherton, P.M., Miller, M., Rimm, E.B., Rudel, L.L., Robinson, J.G., Stone, N.J., Van Horn, L.V. (2017) Dietary fats and cardiovascular disease: a presidential advisory from the American Heart Association. Circulation 136, e1–e23. doi: 10.1161/CIR.0000000000000510.

Siri-Tarino, P.W., Sun, Q., Hu, F.B., Krauss, R.M. (2010) Meta-analysis of prospective cohort studies evaluating the association of saturated fat with cardiovascular disease. Am. J. Clin. Nutr. 91(3), 535-546. doi: 10.3945/ajcn.2009.27725.

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